13. Juli 2013 · in Runway · von Max Bonheur

MBFW Berlin / Moga E Mago: Im Mondschein durch den Wald

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Den goldenen Kelch zur Abschluss-Show der Mercedes Benz Fashion Week bekamen diesmal Elisa Lindenberg and Tobias Noventa von Moga E Mago überreicht. Die letzten Jahre bzw. Saisons über war die finale Kollektion meistens der Tropfen, der mein Depressionsfass zum Überlaufen brachte: Oft war die letzte Show der gleiche Einheitsbrei, den man schon die gesamte Woche über hatte fressen müssen. Als ich dann vor ein paar Wochen Wind davon bekam, dass ein wirkliches Berliner Underground-Label, das im Übrigen schon seit Langem zu unseren Favoriten zählt, den Slot erhalten hatte, wurde mir klar, dass die letzte Show diesmal kein Gähn-Katalysator würde.

Man betritt die Stuhlreihen um den Catwalk. Auf den Sitzplätzen liegen keine Goodiebags, dafür aber Taschenlampen. Der erste Moment, der mich aufhorchen ließ. Man kann die Stimmung im übermäßig vollen Zelt nicht beschreiben – eine Hälfte der Menschenmasse sitzt seit vier Tagen je 12 Stunden in einem Plastikzelt, ist nur noch schwer zu beeindrucken, gelangweilt von Schund, beeindruckt von den Großen, auf jeden Fall aber erschöpft und am Rande des Schlafmangel-Wahnsinns. Die andere Hälfte ist nur zur Show von Moga E Mago gekommen. So oder so ist die Abschluss-Show eine unsägliche Herausforderung.

Schließlich setzt mystische Musik ein, ein Mond wird an die Wand projiziert. Dann wird die Kollektion „Notturno“ präsentiert, nur im Lichtschein der Taschenlampen. Mit großem Kopfschmuck aus Glas und blau geschminkten Lippen betritt das erste Model den Laufsteg: In einem nudefarbenem Leinenjersey-Body und flamingofarbenen Ziegenfellärmeln. Und mit einem anmutig-langsamen Gang, während es herablassend das Publikum links und rechts abwechselnd mustert.

Darauf folgen Mäntel mit Lederpaillettenbesatz, Catsuits, schwarze Seidencapes, ein nachtblaues Kleid mit gleichfarbigen Lederpaillettenärmeln, roséfarbene Leder-Kettenkleider. Das abschließende Highlight: Ein Mantel aus dreieckig zusammengefügten Ziegenpelz-Stücken, komplett in Schwarz.

Die Inspiration zur Art und Weise der Präsentation und zur Kollektion selbst lieferte die griechische Mythologie: Das Publikum soll von Najaden in den Bann gezogen werden, die bei Vollmond durch einen Wald laufen. Durch glitzernde Materialien (eine Metapher für die Gewässer der Najaden), die dunkle und blasse Farbwahl und auch durch die außergewöhnlichen Models konnten Noventa und Lindenberg eine durchkonzipierte, mystisch-bizarre Parallelwelt aufbauen.

Obwohl es wie erwähnt nicht einfach ist, nach vier Tagen Mode toujours noch über 800 Gäste zu begeistern, war die Abschlussshow diesmal ein grandioser Erfolg und fesselnder Abschluss, der mit tosendem Applaus und meinerseits tosender Gänsehaut endete. Vor allem ist es auch sehr erfreulich, wenn sich ein Underground-Label nicht dem Drang der Massenkompabilität unterwirft, der sonst derart stark auf der Berliner Fashion Week herrscht, sondern den eigenen Stiefel durchzieht. Neben Augustin Teboul und Satu Maaranen war die Show von Moga E Mago die beeindruckendste der Woche.

Photos: © Max Bonheur

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