26. Juli 2013 · in People · von Carrie Bass

Interview mit Jungdesigner Thomas Hanisch

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Es gibt sie wirklich noch – diese Rohdiamanten in der Modewelt, deren Werdegang man mit Spannung verfolgt. Thomas Hanisch ist einer davon. Der 22-Jährige hat gerade vor fünf Wochen sein Diplom im Fachbereich Modedesign erhalten und ist jetzt schon auf dem Weg nach oben. Aufmerksam geworden sind wir auf den jungen Designer durch eine Aktion von G-Shock, die junge Nachwuchstalente fördert. In sieben europäischen Städten wurde von einem bekannten Kurator ein Kreativer ausgewählt, welcher nun seine persönliche G-Shock Uhr entwerfen darf. Bei den Spirit of Toughness Awards im November soll letztendlich der Gewinner gekürt werden, dessen Uhr dann in Produktion geht. Der Berliner Kurator Patrick Mohr hat sich für Thomas Hanisch entschieden, der nun für Berlin ins Rennen geht. Wir haben den Nachwuchsdesigner beim G-Shock Summer BBQ getroffen und uns über seine Designs, aktuelle Projekte und Pläne unterhalten.

Wie kam es dazu, dass du bei der G-Shock Competition mitgemacht hast bzw. ausgewählt wurdest?

Thomas: Patrick Mohr hat mich angerufen. Er war bei uns in der Schule [ESMOD Berlin] und saß da in der internationalen Jury, die unsere Kollektionen angeschaut und uns Noten gegeben hat. Dort hat er meine Kollektion gesehen und mich danach gefragt, ob ich Lust hätte, mitzumachen.

Weißt du, warum Patrick Mohr genau dich ausgewählt hat?

Thomas: Ich denke, weil wir ähnlich arbeiten. Dieses Geometrische, dieses Strukturierte und viel mit Architektur usw. Und da hat er halt auch ein bisschen seine Sachen mit drin gesehen und ich soll ja auch zum Mentor passen.

Wie war es für dich, einen Designer wie Patrick Mohr als Mentor zu haben?

Thomas: Ich kannte ihn natürlich auch schon vorher und freue mich auf die Zusammenarbeit. Ich trage seine Sachen zwar selbst nicht, aber finde das Ganze, was er macht, super interessant.

Aber was bedeutet Zusammenarbeit? Du wirst bei den Spirit of Toughness Awards teilnehem und er unterstützt dich dann dabei?

Thomas: Ich mache das komplett alleine, aber er wird mir vielleicht hier und da noch einen kleinen Tipp geben und mir zur Seite stehen.

Dein Studium hast du vor vier Wochen abgeschlossen.Was machst du momentan?

Thomas: Ich arbeite gerade an meiner Männerkollektion. Für das Diplom habe ich eine Frauenkollektion gemacht, weil man sich ja da noch mehr ausleben kann. Aber jetzt nebenbei mache ich ein paar Männer-Teile. Eigentlich nur für mich, damit ich auch noch dabei bleibe und es nicht verlerne.

Und das sind dann auch Teile, die du selbst trägst?

Thomas: Ja genau.

Glaubst du, Patrick Mohr würde deine Sachen auch tragen?

Thomas: Nein. (grinst) Ich glaube, ihm ist das zu statisch.

Also, dein Stil ist statisch?

Thomas. Der Stil meiner Frauenkollektion hat viel von Avantgarde und Couture. Meine Männerkollektion ist sehr tragbar, aber trotzdem Avantgarde.

Du hast heute einen Teil deiner Frauenkollektion hier ausgestellt. Woher nahmst du die Inspiration für diese Entwürfe?

Thomas: Inspiriert wurde ich von Queen Elizabeth I und den Film Metropolis, dieser Stummfilm von 1927.

Okay, das ist eine außergewöhnliche Kombi…

Thomas: Ja, ich war einfach fasziniert von den opulenten Kleidern, die sie immer getragen hat. Und ein großer Aspekt waren auch Corsagen, weil ich das System einer Corsage in sozusagen größere Teile entwickelt habe. Und ich wollte dann diese opulenten Kleider in die Zukunft versetzen und die Formen futuristisch ändern. Also sozusagen eine Cyber Queen Elizabeth.

Wer ist diese Frau, die deine Designs trägt?

Thomas: Wer ist diese Frau? Okay, das denkt jetzt sowieso schon jeder: Lady Gaga. Ich glaube, sie würde es tragen. Aber auch viele andere, die bühnenpräsent sind.

Also muss diese Frau viel Selbstbewusstsein haben?

Thomas: Auf jeden Fall.

Wie geht es jetzt weiter mit dir? Erstmal machst du bei den Awards mit und danach?

Thomas: Ich will auf jeden Fall nicht in Berlin bleiben. Da wäre ein eigenes Label zwar super, aber momentan finanziell einfach nicht möglich. Daher möchte ich erstmal nach London, Paris oder nach New York. Ich möchte mich eventuell bei Rick Owens, Alexander McQueen und bei dem House of Gaga bewerben.

Und irgendwann in der Zukunft dann auch das eigene Label?

Thomas: Ja! Das mussten wir für die Diplomarbeit sowieso schon konzeptionieren und mir gefällt auch der Label-Name [Immortal]. Das drückt mich irgendwie aus.

Glaubst du, es wird dir für deine Zukunft Vorteile bringen bei der G-Shock Competition teilgenommen zu haben?

Thomas: Natürlich, Presse ist immer super. Ich habe z.B. auch von einer italienischen Bloggerin einen Artikel über meine Kollektion gelesen. Und dann am nächsten Tag kam ein Anruf aus Argentinien. Dort startet eine neue TV-Sendung und die zeigen Jungtalente und da soll ich ein Video hinschicken, wie ich arbeite usw. Also, habe ich in den letzten Wochen schon viel mitgenommen.

Fünf Wochen nach dem Diplom ist bei Thomas Hanisch schon einiges passiert und da wird sicherlich noch mehr folgen. Jetzt konzentriert sich der 22-Jährige erstmal auf die Konzeption der G-Shock Uhr, denn schließlich will er den Wettbewerb auch gewinnen und letztendlich seine selbst entworfene Uhr am Handgelenk tragen. Wir wünschen dem Nachwuchstalent dafür und natürlich auch für die Zukunft viel Erfolg.

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Thomas Hanisch und Patrick Mohr

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Vollbildaufzeichnung 26.07.2013 140632

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